News Forum Bildung Niederrhein

Ein Netzwerk für junge Migranten
Klausenhof-Projekt will ausländischen Jugendlichen helfen, den Übergang Schule - Beruf zu erleichtern / Informationsveranstaltung mit Thomas Kufen in Xanten
Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte haben besondere Schwierigkeiten beim Übergang von der Schulzeit in die Ausbildung oder in den Beruf. Gute Ansätze, Ideen, Engagement dazu gibt es zwar genügend, aber sie sind oft nicht aufeinander abgestimmt und nicht koordiniert. Diese nun für den Niederrhein zu sammeln und zu vernetzen ist eines der wichtigsten Ziele des Projektes „Übergänge und Brücken“, das jetzt seine Idee bei einer Informationsveranstaltung im Xantener Rathaus vorstellte. Ein Ergebnis konnte Projektleiter Dr. Alois Becker von der Akademie Klausenhof dort gleich präsentieren: Eine erste Übersicht aller Angebote und Institutionen in der Region Niederrhein, die sich an junge Migranten richten. Bis Projektende im Dezember 2007 soll diese Liste möglichst vollständig sein und allen Interessierten zur Verfügung stehen.
Thomas Kufen, NRW-Integrationsbeauftragter, betonte während der Veranstaltung die Bedeutung, die „Jugendliche mit Zunwanderungshintergrund“ - wie die neue, offizielle Bezeichnung nun lautet - für Wirtschaft und Gesellschaft haben könnten. Man solle sie als Ressource, als Chance sehen, sagte der CDU-Politiker. Ihre Stärken wie etwa Mehrsprachigkeit sollten von Firmen wahrgenommen und genutzt werden. Leider sehe die Realität heute ganz anders auch. Noch nie war die Ausbildungsquote dieser Gruppe so schlecht wie derzeit, weder die Lehrerausbildung noch das Schulsystem sei auf die Problemlage der Migranten eingerichtet, und Firmen geben weiterhin Jugendlichen deutscher Herkunft den Vorzug, wenn es um die Besetzung von Ausbildungsstellen geht. Kufen kündigte an, dass künftig mehr Lehrerinnen und Lehrer etwa aus der Türkei oder Italien eingestellt werden, und eine frühe Sprachförderung soll Defizite in diesem Bereich von Anfang an beseitigen.
Das Projekt „Übergänge und Brücken“ wird als Vertriefungsprojekt der „Lernenden Regionen“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es beschäftigt sich hauptsächlich mit der Sichtung, Sammlung und Verbreitung von Informationen in den Kreisen Wesel und Kleve aus dem Bereich Übergänge von Schule in den Beruf. Dazu zählen etwa die Bemühungen von Schule und Berufsschule, das Angebot von Bildungsanbietern, Maßnahmen der Arbeitsagenturen, Integrationssprachkurse, Beratungsangebote etwa der Wohlfahrtsverbände, Migrationsdienste, Integrationsräte und auch die Arbeit von Migrantenorganisationen. Geplant ist außerdem, mit einer Informationskampagne bei Firmen für die Einstellung von jungen Migranten zu werben.
Weitere Informationen unter www.lernender-niederrhein.de
Neue Brücken in den Beruf
Projekt soll bei Übergängen helfen / Start in der Akademie Klausenhof
Die neue „Niederrheinbrücke Wesel“ lieferte die Vorlage des Logos für das Bildungsprojekt „Übergänge und Brücken“, das jetzt in der Akademie Klausenhof als Vertiefungsvorhaben des Programms „Lernende Regionen“ gestartet wurde. Die Brücken, die in diesem Projekt gebaut werden sollen, verbinden keine Flussufer, sondern Lebensphasen, - die schulische Phase mit der der Ausbildung und des Berufs sowie die Elternzeit mit der erneuten beruflichen Phase - in denen es oft nicht einfach ist, den richtigen Weg zu finden.
Auf der Eröffnungsveranstaltung erläuterte Projektleiter Dr. Alois Becker von der Akademie Klausenhof vor den geladenen Bildungsexperten der Region, dass es bei diesem Nachfolgeprojekt darum geht, verschiedenen Gruppen bei Übergängen zu unterstützen: Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund sowie Mütter oder Väter nach der Elternzeit. Im Wesentlichen sollen nun keine weiteren neuen Aktionen gestartet werden, sondern die Vielzahl der vorhandenen Fördermöglichkeiten in den Kreisen Wesel und Kleve recherchiert, vernetzt und publik gemacht werden. Geplant ist etwa, alle in den beiden Kreisen vorhandene Beratungsstellen, Vereine und Angebote zusammen zu fassen. Zum Beispiel haben Bundesagentur für Arbeit, Land und Bund vom Werkstattjahr bis zu berufsvorbereitenden Lehrgängen verschiedenste Förderprogramme für Jugendliche initiiert. „In diesem Durcheinander einen Überblick zu verschaffen“, so Dr. Alois Becker, sei eines der Ziele des Vorhabens. Hinzu kommt die Herausgabe von Verzeichnissen, die Unterstützung von Ausbildungsbörsen oder Kampagnen, um die Ausbildungsquote etwa bei Migranten zu erhöhen.
Wie wichtig gerade die Unterstützung dieser Zielgruppe ist, zeigte Bülent Arslan vom Institut für interkulturelles Management und Politikberatung und Mitglied im NRW-Integrationsrat: In den vergangenen Jahren sei es für junge Migrantinnen und Migranten immer schwieriger geworden, einen Schulabschluss und einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Mangelnde Sprachkenntnisse, ein Schulsystem, das eine Integration nicht unterstütze, oftmals fehlende Hilfestellung des Elternhauses sowie Vorbehalte der ausbildenden Betriebe verbunden mit dem allgemeinen Lehrstellen- und Arbeitsplatzmangel seien die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung. Arslan schlug vor, stärker auf die Migrantenvereine, Medien und die ganze jeweilige „Szene“ zuzugehen.
Das neue Vertiefungsprojekt „Übergänge und Brücken“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds bis Ende 2007 als Fortführung der „Lernenden EU-Region Niederrhein gefördert. Die Akademie Klausenhof führt das Projekt im Rahmen des ForumBildung Niederrhein durch.
„Lernender Niederrhein: Übergänge und Brücken“
Im Rahmen des Programms „Lernende Regionen - Förderung von Netzwerken (Vertiefungsphase)“ wurde das Projekt „Lernender Niederrhein: Übergänge und Brücken“, Laufzeit 01. August 2006 bis 31. Dezember 2007 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung“ (BMBF) bewilligt. Das Projekt beinhaltet die Gestaltung der Übergänge Schule - Ausbildung - Beruf für Jugendliche ohne und mit Migrationshintergrund zur Verbesserung der Berufswahl, der Berufsvorbereitung, der Erhöhung der Ausbildungsquote und der Verminderung von Bildungsabbrüchen, des weiteren den Übergang Elternzeit - Beruf mit dem Ziel, Beschäftigung von Frauen und Männern nach der Elternzeit bzw. der Familienphase zu erhöhen und die Weiterbildungsbeteiligung dieser Zielgruppe zu verbessern.
Für die drei genannten Übergänge werden bestehende Aktivitäten recherchiert, dokumentiert und vernetzt. Zwecks räumlicher Nähe wird die Projektregion „Niederrhein“ dazu in drei Subregionen unterteilt: Kreis Wesel rechtsrheinisch, Kreis Wesel linksrheinisch und Kreis Kleve. In ihnen werden zu den geplanten Aktivitäten örtliche Anlaufstellen geschaffen. Des weiteren wird das erfolgreiche Modell der euregionalen Ausbildungsbörse im Kreis Kleve auch in den Kreis Wesel transferiert.
Das Projekt wird von der Akademie Klausenhof gGmbH in Zusammenarbeit mit dem ForumBildung Niederrhein umgesetzt.
Lernende EU-Region Niederrhein
Mit einem "Schlusspunkt" - der Abschlussveranstaltung - ist das Projekt Lernende EU-Region Niederrhein beendet. Nachfolgend wird ein ForumBildung Niederrhein die Zusammenarbeit der Bildungsakteure am Niederrhein weiterführen.
Bericht zur Abschlusskonferenz
Bericht zum Ergebnis des Projektes |